Nadja Buser bei MSF (Ärzte ohne Grenzen)

1. Was machen Sie heute?

Ich arbeite bei MSF (Médecins Sans Frontières) als Ethnologin in Kriegs- und Krisengebieten. Meine Aufgabe besteht in transkulturellen und ethnologischen Beratungen. Auf der einen Seite schule ich Mitarbeitende der Hilfsorganisation in transkultureller Kompetenz und auf der anderen Seite erarbeite ich ethnologische Grundlagen zu bestimmten Themen. Zum Beispiel habe ich kürzlich Konzepte zu Gesundheit und Krankheit bei den „Murle“ zusammengestellt, was für die Konzeptionierung und Implementierung der Projekte von Ärzte ohne Grenzen sehr wichtig war. Zuletzt war ich für ein Jahr im Südsudan, und im Februar 2009 geht es wieder weiter. Wohin ist momentan noch unklar.

2. Wie haben Sie den Einstieg ins Berufsleben geschafft?

Nach dem Studium fand ich - eher per Zufall - eine Stelle bei der Drug Information Association, einer internationalen Non-Profit-Organisation im medizinischen Bereich mit Sitz in Basel. Hier konnte ich erste Berufserfahrungen im Projektmanagement sammeln. Dann arbeitete ich für drei Jahre bei einem kleineren IT-Startup als Verantwortliche für Personalwesen, Kommunikation, Marketing und Office Management. Als Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung konnte ich auch bei strategischen Entscheiden mitwirken. Berufsbegleitend habe ich an der damaligen Fachhochschule für Wirtschaft in Baden einen exec. MBA absolviert. Diese Kombination war sehr spannend und vermutlich auch mit ein Grund, warum ich 2004 mit dem IKRK (Internationales Komitee des Roten Kreuzes) als Delegierte für wirtschaftliche Sicherheit ins Ausland gehen konnte. Die Anstellung führte mich nach Liberia und in die Philippinen, wo ich die Auswirkungen des Konfliktes auf die Arbeits- und Beschäftigungssituation der Menschen untersuchte und dementsprechende Hilfsprogramme implementierte. Da ich beim IKRK aber wenig Möglichkeiten sah als Ethnologin im engeren Sinne zu arbeiten, wechselte ich zu MSF, wo ich heute noch bin.

3. Was hat das Studium dazu beigetragen?

Das Studium der Ethnologie war natürlich die Grundlage für ein differenziertes Kulturverständnis – im engeren und weiteren Sinne. Meine fachfremde, praxisorientierte Berufserfahrung in der Privatwirtschaft wurde von Arbeitgebern immer auch als Pluspunkt gewertet. Als ich dann das betriebswirtschaftliche Nachdiplomstudium abgeschlossen hatte, war ich erstaunt über die positiven Resonanzen auf dem Arbeitsmarkt. Wichtig scheint mir während dem Studium auch die Auseinandersetzung mit und die Ausrichtung auf ein potentielles Berufsfeld nach dem Bachelor oder Master. Dies kommt vermutlich manchmal zu kurz

4. Was haben Praktika dazu beigetragen?

Während dem Studium habe ich nur die obligatorischen Praktika gemacht – also das Feldforschungspraktikum, in Ghana – und ein Praktikum in angewandter Ethnologie, das ich bei einer Kulturaustauschorganisation in Zürich absolviert habe. Ich fand beide sehr interessant und lehrreich, habe aber auch viel durch meine nebenamtliche Beschäftigung bei der Brauerei Feldschlösschen gelernt, mit der ich mein Studium finanziert habe. Dort war ich für kulturhistorische Führungen zuständig, habe im Archiv gearbeitet und zwei Broschüren publiziert. Ausserdem war ich sehr lange in der Jugendarbeit auf kommunaler und kantonaler Ebene engagiert, was auch ein Leistungsausweis auf dem Arbeitsmarkt darstellt.

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