| Die Künste sind ein oft heftig umstrittener Gegenstand der Ethnologie. Kunstkenner, Kunstmarkt, Kunsthistoriker und eben auch Ethnologen streiten sich um die Kernfragen dieses Zweigs unserer Disziplin: Wie sind die Künste der Menschheit entstanden? Ist Kunst ein uni-versales Erbe der Menschheit? Welchen Zwecken dienten die Kunstwerke? Wie sind sie erschaffen worden? Wer hat diese Werke erschaffen? Welche Freiheit hat der individuelle Künstler? Was heißt Kreativität in anderen Gesellschaften? Wie lässt sich die ästhetische Praxis in anderen Gesellschaften und Kulturen erfassen, beschreiben und deuten? Welche Bedeutung hat heute die internationale Kunstwelt mit ihren Museen, Galerien und Ausstellungen für die lokalen Künste? Einige dieser Fragen waren einmal für die Kunstethnologie zentral und können heute als beantwortet oder obsolet gelten. Andere sind nach wie vor Gegenstand der Forschung und werden auch in der Öffentlichkeit verhandelt. In den letzten Jahren sind neue Themen und Fragen hinzugetreten, die vor allem aus der sich globalisierenden Kunstwelt an die Ethnologie herangetragen wurden. In der Übung werden diese Fragen anhand ausgewählter Beispiele, viele davon aus afrikanischen Gesellschaften, behandelt. |
Eine Literaturliste wird in der ersten Stunde vorgestellt und im Einzelnen erläutert. Zur allgemeinen Einführung werden empfohlen: Coote, Jeremy / Shelton, Anthony (Hgg.), Anthropology, Art and Aesthetics. Oxford, 1992.
Förster, Till, Kunst in Afrika. Köln: DuMont, 1988.
McEvilley, Thomas, Art and Otherness: Crisis in Cultural Identity. Kingston, 1992.
Marcus, George et al. (Hgg.), The Traffic in Culture: Refiguring Art and Anthropology. Berkeley, 1995.
Marschall, Wolfgang et al. (Hgg.), Die fremde Form. L’esthétique des autres. Bern, 1992.
Morphy, Howard et al., Aesthetics is a cross-cultural category, in: Tim Ingold (Hg.), Key Debates in Anthropology. London, 1996: 249–293. |