Bedeutende gesamtgesellschaftliche Transformationen in Entwicklungsländern umfassen (1) den demographischen Wandel, (2) epidemiologische Veränderungen und (3) soziale Umgestaltungsprozesse. Weitere Veränderungen sind (4) Urbanisierung, gekoppelt mit Migrationsbewegungen, sowie (5) der Wandel des Lebensstils. Diese kontemporären gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen verbinden sich zu einem Konzept, das - geprägt von einer anfänglich eng auf Gesundheit und Krankheit fokussierten Perspektive - als "health transition" (Gesundheit im Wandel) etwa in der Ethnologie Eingang gefunden hat. Die der "health transition" inhärente Dynamik besitzt in Gesellschaften von Entwicklungsländern zwei wichtige Merkmale: Es ist erstens die hohe Geschwindigkeit, mit denen diese Transformationen voranschreiten, und zweitens die immense Anzahl von Menschen, die diese Prozesse betreffen. Kein Wunder, dass die Nachhaltigkeit von gegebenen Strukturen und eingeleiteten Entwicklungen in diesen Ländern nur schon durch das Tempo der Veränderungen und die Menge der Betroffenen nicht mehr gewährleistet ist.
Insbesondere die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften beginnen vermehrt, die Gründe und Auswirkungen dieser Transformationen in den Gesellschaften Afrikas, Asiens, Südamerikas und Ozeaniens zu untersuchen und zu analysieren. Dabei beleuchten ihre Forschungsperspektiven in der Regel bis anhin diese Veränderungen "nur" innerhalb von sozialen und kulturellen Handlungseinheiten und kaum deren Einfluss auf die physische Umwelt des Menschen. Ebensowenig wird der Blick auf den Einfluss des natürlichen Umfeldes auf diese gesamtgesellschaftlichen Transformationen geworfen.
Bezüglich der skizzierten Transformationen und Wechselwirkung Kultur-Natur können wir zwei generelle Fragen für diese Veranstaltung aufwerfen:
- Welche Auswirkungen haben die genannten gesamtgesellschaftlichen Transformationen auf die physische Umwelt?
- Welche Auswirkungen haben umgekehrt globale Umweltprozesse auf diese gesamtgesellschaftlichen Veränderungen?
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