Ausgewählte Klassiker der Ethnologie Ozeaniens

Lektürekurs

Dozent/in Antje Denner
Veranstaltungsart Regionalthema
Wann Di 14-16 Uhr
Ort Ethnologisches Seminar
Sprechstunde

nach Vereinbarung

   
 
Inhalt
Was ist es, das die Lektüre von Klassikern interessant macht und warum lohnt es sich, sie zu lesen? Zunächst liesse sich dazu sagen, dass die Kenntnis wesentlicher Vertreter der Ethnologie und ihrer Werke zum Basiswissen gehört und darüber hinaus für ein Verständnis der Fachgeschichte grundlegend ist. Spätestens seit der Krise der Repräsentation ist ausserdem klar, dass Texte keineswegs ‚unschuldig’ sind, oder – wie C. Geertz (1988: 1) dies ausdrückt: „The illusion that ethnography is a matter of sorting strange and irregular facts into familiar and orderly categories (…) has long since been exploded.“ Ethnographien sind, wie andere schriftliche Erzeugnisse auch, aus ihrem (Entstehungs-)Kontext heraus zu lesen, interpretieren und zu verstehen. Welche historischen und persönlichen Umstände und welche wissenschaftlichen Diskurse und Paradigma prägten den bzw. die Autorin? Wie wird Autorität und Glaubwürdigkeit etabliert? Welche Ziele werden verfolgt und welcher Strategien bedient man sich, um sie zu erreichen? Anhand von Fragen dieser Art wird die Lektüre nicht nur interessant, sondern sie führt auch zu einer Beurteilung ob und inwiefern ein Klassiker heute noch überzeugt.

Im Zentrum des Kurses stehen Texte von und über Bronislaw Malinowski sowie Margaret Mead, anhand derer neben ethnographischen Themen auch methodologische und theoretische Fragestellungen behandelt und die folgenden Themen zur Sprache kommen werden: zeremonielle Tauschsysteme, Religion und Magie, Geschlechterbeziehungen, Enkulturation und Sozialisation, Feldforschungsmethodik und –erfahrung, Spannungsfeld von Forschungsauftrag und –interesse, Ethnologen als Schriftsteller und die Etablierung von Autorität, Authentizität und Repräsentation
 
Programm
Beginn 5. April 2005
 
Literatur

Berg, Eberhard / Fuchs, Martin (Hg.). 1993. Kultur, soziale Praxis, Text. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Caton, Hiram (ed.). 1990. The Samoa Reader: Anthropologists Take Stock. Lanham (Md.) [etc.]: University Press of America.

Freeman, Derek. 1983. Margaret Mead and Samoa. Cambridge (Mass.); London : Harvard Univ. Press. [deutsch: Freeman, Derek. 1983. Liebe ohne Aggression.  München : Kindler.]

Freeman, Derek. 1999. The Fateful Hoaxing of Margaret Mead. Boulder (Colo.): Westview Press.

Geertz, Clifford. 1988. Works and Lives. Cambridge: Polity Press. [deutsch: Geertz, Clifford. 1990. Die künstlichen Wilden. München: Carl Hanser.]

Malinowski, Bronislaw. 1922. Argonauts of the Western Pacific. London: George Routledge; New York: E. P. Dutton. [deutsch: Malinowski, Bronislaw. 1979. Argonauten des westlichen Pazifik. Frankfurt a.M.: Syndikat.]

Malinowski, Bronislaw. 1935. Coral Gardens and their Magic. London: George Allen and Unwin. [deutsch: Malinowski, Bronislaw. 1981. Korallengärten und ihre Magie. Frankfurt a.M.: Syndikat.

Malinowski, Bronislaw. 1967. A Diary in the Strict Sense of the Term. London: Routledge and K. Paul. [deutsch: Malinowski, Bronislaw. 1986. Ein Tagebuch im strikten Sinn des Wortes. Frankfurt a.M.: Syndikat.]

Mead, Margaret. 1929. Coming of Age in Samoa. London: Jonathan Cape. [deutsch: Mead, Margaret. 1981. Kindheit und Jugend in Samoa. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.]

Mead, Margaret. 1975. Blackberry Winter. New York: Pocket Books. [deutsch: Mead, Margaret. 1978. Brombeerblüten im Winter. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.]

 
Bemerkungen
Veranstaltung aus dem Wahlpflichtbereich des Grundstudiums Ethnologie (Sach- oder Regionalthema).
Die regelmässige Teilnahme an der Veranstaltung, Lektüre der bereitgestellten Texte und aktive Beteiligung an den Diskussionen wird als wesentlich erachtet. Hausarbeiten können geschrieben werden.

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