| Auf einer Lichtung im Wald im Inneren der Insel Tanna tanzten, sangen und brüllten zweitausend Leute die ganze Nacht hindurch. Von Zeit zu Zeit hörte man, zuerst von weit her dann immer näher kommend, die Signale der Muschelhörner; sie kündigten das Herannahen der toka-Tänzer an. Als im Morgengrauen die 200 Männer den Platz betraten, entschwand in Sekundenschnelle die ungebändigte Ausgelassenheit der Nachttänzer und eine erhabene, stumme Bewunderung für den nun beginnenden toka-Tanz stellte sich ein.
Der Aufbau von Zeremonien zielt auf solche Spannungsmomente hin, die eine enorme Menge von Informationen und Wissen kumulieren. Für den Aufbau dieser Momente ist die Musik von grundlegender Wichtigkeit. Denn einerseits führt sie die Menschen emotionell zu solchen Spannungsmomenten hin, andererseits widerspiegelt ihr Aufbau denjenigen der Zeremonie und ebenso beinhaltet sie die dazugehörenden textlichen Informationen. Musik, Zeremonien, Gesellschaftsaufbau und religiöses Denken sind formell miteinander verbunden. In dieser Lehrveranstaltung bedienen wir uns der Musik, um uns einen eleganten Eintritt in die geheimnisvolle Welt der Zeremonien in Melanesien zu verschaffen. |